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Selbst. Rosovyjbantsuok

09.04.2009

Selbst. Rosovyjbantsuok

Es war einmal der Selbst. Er hat alles selbst gemacht. Selbst hat er sich das Essen zubereitet. Selbst hat er aufgeräumt.

So ein Selbst! So ein braver Junge!

***

Man sagt, dass eine Mücke soo klein ist…

Selbst eben war noch kleiner. Daher hat Selbst niemanden angerührt. Wie denn?! Was sind das alles für Riesen, die hier rumlaufen, versuch mal so einen anzurühren. Und Selbst war überhaupt nicht danach!

Aber es war mal andersrum: Pilzsammler gehen durch das Feld, hin und wieder streifen sie doch den Grashalm, an dem so wichtig der Selbst thront. Fällt Selbst zu Boden, so schafft er drei bis vier Mal sich in der Lüft über den Kopf zu drehen. Er gähnt und schon sieht er sich auf dem Boden um. Die Pilzsammler gehen weiter, ohne ihn zu sehen. Dabei kennt ja Selbst alle pilzreichen Plätze, jedes Erdhäufchen, auf welchem ein kleiner Wächtertrupp mit kleinen Käppchen steht. Das ist ja eben das Schlimme – keiner fragt ihn.

Fragt ihr doch wenigstens ihn!

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Selbst stand heute außer sich.

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wer einen Selbst tötet, wird selbst zu einem Selbst.

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Nur die wunderschönsten Träume bleiben für immer nur Träume.

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Der Tod ist ihn – Selbst – holen gekommen.

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Selbst war nicht immer so, wie ihr ihn jetzt sehen könnt. Aber ihr wart auch nicht immer so, wie er euch jetzt sieht. Er weiß nicht mehr genau, wann und wie in ihm die Veränderung passierte. Aber er weiß genau, dass er nicht immer Selbst war. Er mag sich nicht an die Vergangenheit erinnern, und keiner kennt seine Geschichte, deshalb denken alle, dass Selbst von Geburt an so ist.

Früher, als er ein ganz unpersönliches Wesen war, wollte er er selbst werden. Ich bin nicht sicher, dass jeder von den großen soliden Erwachsenen weiß, was es heißt, ich selbst zu sein. Um so mehr – was konnte darüber schon ein kleiner angehender Selbst in so einem jungen Alter wissen? =>

Trüb beleuchteter enger Raum. Alles, was passiert, passiert von oben – wie dieses trübe Licht, wie diese Laute der Stimmen. Wände der Klaustrofobie fangen an sich zu drehen und treiben dich in ihrem unaufhaltsamen Tanz mit einem leichten angenehmen Plätschern hin zur Oberfläche. Ir-gend wohin von den Feldern verschwand ein kleiner Trupp des kleinwuchsigen Stammes mit den spitzen Hauben. Sie kommen, um die Grenzen deiner Möglichkeiten zu erweitern – solche Grenzwächter eben, die dich aus dem Bewussten ins Unterbewusste führen – aber gerade sie lassen dich in diesem Schacht, wo rauszukommen nicht leicht ist. Hmm. Kälte und Finsternis.

Als er aus diesem Brunnen rauskam, wurde Selbst er selbst (obwohl er da noch nicht Selbst war).

Aber von mal zu mal, wenn er bei dem Stamm unter den Käppchen zu Besuch war, verlor er ein Teilchen von sich. So verwandelte er sich in den Selbst.

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Selbst kam aus sich heraus. Nie zuvor war er so weit gegangen. Ihm schien, die Zeit kehrte um. Dass aus den Libellen die Larven herausschlüpfen und nicht umgekehrt. Dass selbst das schon in diesem Augenblick ir-gend wo passiert. Also alles vertauscht.

Er hatte ja sogar für das Ganze eine eigene Erklärung, aber der Morgen, Lider auseinandergeschoben, zeigte ihm, dass alles beim alten ist. Der Morgen überzeugte ihn, dass er völlig normal ist. Und beim Gedanken, was früher kam – das Huhn oder das Ei, begann der alte Tag.

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Und einmal hat sich Selbst einfach aufgelöst. Und nicht einfach so aufgelöst, sondern in einem anderen Menschen aufgelöst.

Für Freunde, die Selbst kannten, war es so, als ob es ihn nicht mehr gab. Eben war er noch hier, und nun, scheint er verschwunden.

Und der aufgelöste Selbst schwimmt in den Flüssigkeiten und fliegt in den Weiten eines anderen Menschen. Und wenn dieser andere geht ir-gend wohin oder steht, so geht oder steht Selbst mit ihm. Und rennt und springt und gähnt und versucht Fliegen beim Fliegen abzufangen. Das wird aber nicht lange dauern. Und Selbst weiß das. Nur der andere, der Auflösende weiß das nicht, ahnt nicht, spührt nicht. Er mag Verben. Selbst aber mag Adjektive: solche schönen, luftigen, und sie rufen nicht.

Selbst verabschiedet sich auch mit den Adjektiven: „gute“. Und dem kurzen hoffnungslosen „tschüss“ erwidert er mit gleichem.

Und er kommt zu den Freunden unerwartet, denn er weiß, dass man sich nicht in den Anderen auflösen soll und nicht andere in sich.

Nur das rettet ihn auch.

Selbst wird er selbst nur in jenen nicht häufigen flüchtigen Augenblicken der Zeit, wenn er mit sich allein ist.

Gewöhnlich passiert es vor dem Schlaf. Und welcher Selbst will schon nicht eine Weile er selbst sein? – Das ist es warum er sich nicht ausschläft und läuft sonst wie eine richtige Schlafmütze.

– Selbst gekommen!

– Schön, dass du selbst darauf gekommen bist, wir rufen dich dauernd an, und du treibst dich irgendwo herum, – offensichtlich freuten sich die Freunde über das Treffen.

– die Spur ist erkaltet, – rechtfertigte sich Selbst, – seit heute morgen hustet sie und kann nichts riechen, und Ärzte – wisst ihr selbst – mag sie nicht. Und auf Pillen zu verzichten nimmt sie. Da war ich mit ihr spazieren, wie mit einer Kleinen an der Hand den ganzen Tag lang. Und ihr, wie ich sehe, wartet schon lange. Also, wollen wir anfangen?..

Und einmal traten sie auf seine Seite über…

Dabei waren sie so viele, dass es scheinen mochte, als ob er auf ihre Seite übertrat. Aber sie waren so klein, und sie haben das so unauffällig und allmählich gemacht, dass sie zweifellos zu ihm übertraten, weil er so gastfreundlich war.

Er hielt ihren Glauben für richtig. Und sie glaubten an sich, und ebenso unauffällig und allmählich machten sie ihn immer unauffälliger und allmählicher.

Und die Schalen der Waage von sich selbst begannen aus dem Gleichgewicht zu geraten, in dem sie sich irgendwo oben ließen und Selbst in eine angenehme tiefe Kluft tauchten.

Selbst in der U-Bahn.

Er lehnt sich nicht an die Türe an und hält sich nicht an den Griffstangen fest. Von den Sitzplätzen steht er nicht auf, um Platz zu machen, weil er steht, Hände hinterm Rücken.

Steht wie ein Fels. Bei den scharfen Kurven schaukelt er nicht. Und einige, die sich mit den Händen festhalten, schaffen es trotzdem ihm auf die Füße zu treten. Drehen sich um, um sich zu entschuldigen, und … können es nicht. Du entschuldigst dich doch nicht vor der Erde, dass du darauf läufst, oder vor einem Felsen, wenn du an den gestoßen bist.

Und Selbst steht, ohne sich zu rühren, und denkt an die Fahrer, die den Zug durch die Dunkelheit führen (was haben sie sich doch eine Beschäftigung ausgedacht!) und erinnert sich an die Sterne.

– Romantiker – das sind solche verschrobenen Kerle, -sagt die Spur, während sie mit Selbst am Meeresufer sitzt, – die nicht können, eine Sache richtig anzupacken. Das heißt, dass sie dazu einfach nicht fähig sind. Zum Beispiel Liebe – was für ein unromantischer Gegenstand, und mit eigener Schüchternheit denken sie sich haufenweise alle möglichen Verschiedenheiten aus, um nicht die Abkürzung, sondern lieber Schnörkel zu gehen.

– Es gibt allerdings einen Vorteil: mit ihnen ist es nicht langweilig. Aber manchmal kommen sie nicht auf die offensichtlichsten Sachen, und sind sauer wegen unverständlichen Nichtigkeiten.

Zarte Seelen und verletzbare Herzen. Und in Wirklichkeit sind das körperlose Mollusken ohne Häuser!

– Das Meer ist heute ruhig, – sagt Selbst. Und setzt fort, – geh nur nicht zu weit.

Die Spur brauste auf.

– Das braucht doch kein Aas! Gib es doch zu! Selbst wenn auch du ein Romantiker bist.

– Ich denke, indem ich dieses Gespräch aufschreibe, gebe ich den Menschen Anlass mich zu verstehen. Ob sie das auch brauchen?

Selbst steht auf und geht gemächlich vom Ufer weg, er lässt die Spur in verlegenem Zustand.

Die Spur saß am Ufer und ihr zuzuhören war diesmal ein totaler Genuss.

– Wenn du ein Feuerzeug verlierst und alle Kraft dahingeht, es zu finden, denkst du schon weniger an das Feuer. Genauso ist es mit dem Haus. Glaub nicht denjenigen, die sagen, dass sie kein Haus haben. Wege solcher scheiden sich von den deinen. Selbst eine kleine Egelschnecke ohne Häuschen weiß, dass irgendwo auch ihr Häuschen ist. Die Suche nach dem Haus, der Weg nach Hause, das Haus, der Verlust des Hauses: das sind vier Grundstufen, die du mehrmals durchlaufen wirst. Vielleicht wird dein Weg kürzer. Du kennst zum Beispiel Leute, die sich mit einer Stufe zufrieden geben…

Selbst lässt die Spur und läuft an den rauschend rollenden Wellen entlang. Bald ist Hebst. Daher gibt es immer mehr Spuren. Sie eilen und häufen sich an und bisweilen sitzt sogar die eine auf der anderen.

Selbst sieht und hört, was jede Spur sagt. „Wie seltsam, – denkt er, – so viele Spuren sind einsam. Meine Spur ist ja auch ganz einsam. Niemand außer mir wird sie auch erkennen.“

Spuren führen dahin, wohin Selbste sie führen. Spuren häufen sich an. Denn bald ist Winter: Schnee und Eis werden das Ufer bedecken, und eigene Spuren werdet ihr bis zum Frühling nicht finden.

p.s. Jeder bemüht sich eigene Spur zu hinterlassen. Die Spur bleibt, aber sie bleibt nicht zurück.

ppss. Folgung setzt fort.

(übersetzt aus dem russischen)

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