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Grigorij Oster. Sieben Mamas Semjon Blaubarts

12.04.2010

in der Lavrovy Gasse erzählt man, dass Semjon Blaubart einmal fragte:

– Papa, hast du die Suppe gesehen? oder die Buletten?

– Nein, – sagte der Papa.  – Weißt du, wo mein sauberes Hemd hin ist?

– Weiß ich nicht. Und der Mama bin ich schon lange nicht mehr begegnet.

Papa und Sohn fingen an Mama aus der Küche zu rufen, aber sie kam nicht. Da gingen sie sie zu suchen. In der Küche ist sie nicht, im Badezimmer nicht, im Toilettenzimmer nicht. In den Zimmern ist auch keiner, der Flur ist ganz leer. Nur dreckig.

Schließlich fanden sie auf dem Küchentisch unter einem Stapel dreckigen Geschirrs einen Zettel: „ich kann so nicht mehr leben. Ich gehe für immer. Mama“.

– Mehr nicht? – staunte der Papa. – Steht nichts mehr geschrieben?

– Doch. Der Tag und der Monat.

Papa schaute auf den Tag und jammerte:

– Drei Tage ist es her, seit sie gegangen ist. Wie konnten wir das nicht bemerken?

– Die Buletten, – sagte Semjon, –  sind erst heute alle geworden. Nein, Papa, mach was du willst, ich aber kann ohne Mama nicht leben. Ich brauche Buletten.

– Wir können sie doch jetzt nicht mehr einholen, – seufzte Papa, – Sie hat doch drei tage Vorsprung.

– Dann, – sagt Semjon, – müssen wir eine neue Mama zu uns nach Hause nehmen. So sehr möchte ich Buletten. Und die Suppe. Und Kompott würde ich jetzt ein paar Tassen runterkippen.

Papa konnte seinem Sohn nichts abschlagen. Er mochte ja Kompott auch selbst. Papa ging eine Weile auf den Straßen umher, guckte sich um, und brachte eine neue Mama nach Hause. Die zweite. Eine sympathische Mama hat er geschnappt. Eine junge.

– Hier, – sagen ihr Papa und Sohn, – sind Töpfe, hier sind Pfannen. Hier ist ein Gasherd mit gleich vier Brennern. Und ein Lebensmittelgeschäft ist gleich rechts um die Ecke, wenn du raus gehst.

Da zog sich die neue Mama eine Schürze an und – ran an die Sache. Anfangs lief alles gut, aber nach einer Woche merken Papa und Sohn: etwas ist nicht in Ordnung. Essen gibt’s keins, Abwasch ist voll, Müll liegt überall herum. Und an der sichtbarsten Stelle liegt ein Zettel: „Das ist kein Leben, sondern ein Alptraum! Auf nimmer wiedersehen“

Da runzelte Papa die Stirn, zog sein schönstes Hemd verkehrt herum an, damit es sauberer aussah und ging wieder auf die Suche.

Die dritte Mama erwies sich als Frau mittleren Alters, keine wirklich schöne Frau, aber nicht so schlimm – man kann es aushalten.

Als sie die Tür des Badezimmers öffnete, da fielen ihr allerhand Hemden und Unterhemden entgegen. Und Hosen.

– Ist das euer Schrank? – fragt Mama.

– Nein, – sagt Semjon. – Wir haben die dreckigen Klamotten hierher geschmissen, weil sie im Flur beim Laufen gestört haben.

Da krempelte die dritte Mama ihre Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit.

Nur kurz darauf zeigte Papa Semjon einen neuen Zettel. Mit sehr erbosten Worten. Und die Zettel von der vierten und von der fünften Mama hat er nicht mehr gezeigt. Da waren solche Worte… Solche darf man Kindern nicht zeigen.

Am längsten hielt die sechste Mama bei ihnen aus. Sie war schon ganz alt und konnte schlecht gehen. Papa und Sohn haben extra so eine gewählt, damit sie von alleine nicht weggehen konnte. Tat sie auch nicht. Die Ambulanz hat sie abgeholt. Sie schaffte es nicht einmal ein Zettel zu hinterlassen.

Den ganzen nächsten Monat haben sie gesucht, konnten keine finden. Schließlich brachte Papa die siebte Mama. Semjon guckte auf sie – und zögerte. Und dann spricht er:

– Gut. Es ist sogar besser, dass sie hässlich ist. Sie wird uns fester lieben. Dafür ist sie so eine – vom Aussehen her – ausdauernde und stämmige!

Und in der Tat, hielt einige Zeit die stämmige Mama aus. Wusch Fußböden, rannte einkaufen, kochte, wusch Wäsche, räumte auf. Besonders gekonnt konnte sie Socken finden. Findet sie eine unterm Kissen, runzelt die Stirn, denkt nach und gleich in die Küche, da holt sie die Zweite aus der Kanne. Sie bemühte sich so und bemühte und dann sagt sie:

– Nein, ich kann nicht mehr. Meine Gesundheit ist mir mehr wert. Ich gehe ins Krankenhaus, und in welches – das sage ich nicht, damit ihr mich niemals findet.

Da wollten Papa und Sohn sie mit Händen davon abhalten, sie hatte jedoch noch etwas Kräfte übrig: sie entwich und lief davon.

– Was wird es denn nun, mein lieber Sohn, – sagt Papa, – alle Mamas rennen uns weg.

Sie versuchten alleine zu leben, da merken sie: nein, klappt nicht.

– Papa, – sagt Semjon, – lass uns zusammen eine neue Mama suchen gehen.

– Gut, mein lieber Sohn. Warte nur bis dunkel ist. Wir leben schon lange ohne Mama alleine. Wir sollten uns jetzt tagsüber nicht sehen lassen.

– Warum denn?

– Schau dir uns doch selbst im Spiegel an.

Da schaute Semjon in den Spiegel – da stehen zwei… abgemagerte, zugewachsene, dreckige, lumpige.

– Sind das etwa wir? – staunte Semjon.

– Wir, mein Lieber…

In Lavrovy Gasse erzählt man, dass Papa und Sohn keine weitere Mama zu sich locken konnten. Man sagt, sie streifen bis heute in den nächtlichen Straßen umher –  sie suchen. Oder sie verstecken sich irgendwo im Torbogen und lauern. Hören sie Schritte, so lauschen sie gespannt und schauen mit Hoffnung: vielleicht geht da irgendeine Mama? Aber nein, das ist keine Mama. Mamas schlafen nachts und nicht etwa in den dunklen Gassen spazieren gehen. Und Papa und Sohn treffen eher auf Milizisten.

(meine Übersetzung der russischen Version aus der Kinderzeitung Tramwaj, die in den 90ern in der Sowjet-Union herausgegeben wurde)

***
В Лавровом переулке рассказывают, что однажды Семен Синебородько спросил:
– Папа, ты супа не видел? Или котлет?
– Нет,— сказал папа.— А ты не знаешь, куда моя чистая рубашка делась?
– Не знаю. И маму я тоже давно не встречал.
Стали папа с сыном звать маму из кухни, а она не идет. Пошли искать. На кухне нет, в ванной нет, в туалете нет. В комнатах тоже никого, и коридор совершенно пустой. Только грязный.
Наконец на кухонном столе под кучей немытых тарелок нашли записку: «Больше так жить не могу. Ухожу навсегда. Мама».
— И все? — удивился папа.— Больше ничего не написано?
— Написано. Число и месяц.
Поглядел папа на число, огорчился:
— Три дня назад ушла. Как мы ее прозевали?
— Так ведь котлеты,— говорит Семен,— только сегодня кончились. Нет, папа, ты как знаешь, а я без мамы жить не могу. Мне котлеты нужны.
— Да разве ее,— вздохнул папа,— догонишь теперь? У нее же три дня форы.
— Тогда,— говорит Семен,— придется нам с тобой новую маму в дом брать. Уж очень котлет хочется. С супом. И компота я бы сейчас пару кружечек тяпнул.
Папа сыну своему ни в чем не отказывал. Да ему и самому компот нравился. Походил папа по улицам, поискал, привел домой новую маму. Вторую. Симпатичная мама попалась. Молоденькая.
— Вот это,— говорят ей папа с сыном,— кастрюли, это сковородки. Вот газовая плита сразу на четыре конфорки. А магазин у нас — как выйдешь, направо за углом.
Надела новая мама фартук и — за дело. Сначала все хорошо шло, а через неделю — чувствуют папа с сыном: что-то не так. Еды нет, посуда грязная, мусор везде валяется. И на самом видном месте записка:
«Это не жизнь — кошмар какой-то! Прощайте навек!»
Нахмурился папа, надел свою самую красивую рубашку наизнанку, чтоб чище смотрелась, снова искать пошел.
Третья мама оказалась женщиной средних лет. Не такая уж красавица, но ничего — терпеть можно. Открыла она дверь в ванную, а оттуда на нее разные майки, рубашки посыпались. И штаны. — У вас тут,— спрашивает мама,— шкаф?
— Нет,— говорит Семен.— Мы сюда грязную одежду кинули — по коридору ходить мешала.
Засучила третья мама рукава, взялась за работу. Только вскоре папа Семену новую записку показал. С очень сердитыми словами. А записки четвертой и пятой мамы показывать не стал. Там такие слова были… нельзя их детям показывать.
Дольше всех у них шестая мама продержалась. Совсем старенькая была, ходила плохо. Папа с сыном нарочно такую выбрали, чтоб сама уйти не могла. Она и не ушла. Уехала на «скорой помощи». Даже записку оставить не успела.
Следующую целый месяц искали, найти не могли. Наконец привел папа седьмую маму. Глянул на нее Семен – засомневался. А потом говорит:
– Ладно. Это даже лучше, что страшненькая. Крепче нас любить будет. Зато вон какая с виду выносливая и коренастая!

И действительно, некоторое время коренастая мама держалась. Полы мыла, по магазинам бегала, варила, стирала, убирала. Особенно здорово у нее получалось носки находить. Обнаружит один под подушкой, наморщит лоб, подумает – и прямым ходом на кухню, достает из чайника второй. Старалась она так, старалась, а потом говорит:
– Нет, не могу больше. Мне здоровье дороже. Пойду в больницу лягу, а в какую – не скажу, чтоб вы меня никогда не нашли.
Хотели папа с сыном маму руками удержать, но у нее все-таки еще немножко сил осталось: вырвалась – и бежать.
– Да что ж это такое, сынок, – говорит папа, – у нас все мамы разбегаются.
Попробовали они одни пожить, чувствуют: нет, не выходит.
– Папа, – говорит Семен, – давай вместе пойдем новую маму искать.
– Хорошо, сынок. Только давай темноты дождемся. Мы с тобой давно уже без мамы живем. Нам теперь не стоит людям днем на глаза попадаться.
– Почему это?
– А ты сам на нас в зеркало погляди.
Поглядел Семен в зеркало – стоят там двое… Худющие, обросшие, грязные, оборванные.
– Неужели, – удивился Семен, – это мы?
– Мы, сынок…
В Лавровом переулке рассказывают, что папе с сыном больше не удалось заманить к себе ни одну маму. Говорят, они до сих пор бродят по ночным улицам – ищут. Или спрячутся где-нибудь в подворотне и ждут. Услышат шаги, насторожатся, вглядываются с надеждой: может, это какая-нибудь мама идет? Но нет, не мама это. Мамы по ночам спят и не гуляют по темным переулкам. А папе с сыном чаще всего попадаются милиционеры.

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